top of page

Du bleibst dir fremd, wenn du die Tiefe nicht wagst, du bleibst blind wie ein Stein am ausgewaschenen Ufer, den die flüchtigen Wasser zerrieben haben, hineingeworfen in eine Welt, die du nicht begreifst, weil du nicht wagst, in ihre Dunkelheit hinabzusteigen. Gib deiner Welt die Dunkelheit zurück, so wie es immer neu der Winter tut.  Und dann warte. Giannina Wedde

Harald Homberger

Der  Heilraum – gegenseitige  Unterstützung zum Heilsein

Unsere Biografie ist entscheidend mitgeprägt von Ereignissen und Erfahrungen, die wir nicht verarbeiten konnten. Davon erinnern wir manche Ereignisse noch ganz bewusst, einige spüren wir nur diffus, bruchstückhaft oder vage. Andere entziehen sich unserer Aufmerksamkeit indem wir sie abspalten und verdrängen. Psychologisch sprechen wir dann von einem Trauma und den daraus entstehenden posttraumatischen Belastungsstörungen. Diese nehmen wir bewusst oder unbewusst als eine nachhaltige Beeinträchtigung in unserem Denken, Fühlen und Handeln wahr. Die Belastungsstörungen können, abhängig von der Intensität des auslösenden Ereignisses, oder mehrerer Ereignisse, subtil oder gravierend unser Leben und Handeln prägen. Der traumatische Prozess ist ja gekennzeichnet durch Abspaltung, Verdrängung und Erstarrung. In entsprechenden Alltagssituationen empfinden wir Widerstände und Abwehr, die uns vor einem Erinnern und erneutem Spüren der erlebten Erfahrungen schützen wollen. 

 

Die Erfahrungen der Aufstellungsarbeit zeigen, dass wir aber nicht nur eigene Belastungsstörungen wahrnehmen, sondern auch mit belastenden, nicht verarbeiteten Ereignissen, unserer Eltern und Großeltern verbunden sein können. Diese spüren wir stellvertretend für unsere Vorfahren und sie überlappen sich zum Teil mit unseren eigenen Erfahrungen. So werden eigene dissoziative traumainduzierte Bewusstseinszustände durch das stellvertretende Erleben in uns verstärkt. Wir fühlen uns fremdbestimmt und werden z.T. in unserer Selbst und Fremdwahrnehmung unverständlich. Das Verhalten, das wir dann zeigen, entspricht nicht mehr unserem eigenen Potential, sondern wird von unseren traumatischen Erfahrungen beeinflusst und gelenkt. traumatischen Erlebnisse sind. Und das können wir ändern!

Zu unserem Heilsein gehört, dass wir lernen, unsere gesamten Erfahrungen in den Blick nehmen zu können und bewusst und klar wahrzunehmen, was wir denken, fühlen und empfinden. Wissen, warum wir welche Entscheidungen treffen, und wieso wir in welcher Art und Weise handeln oder nicht  handeln. Der Heilraum dient uns hierbei als Übungsformat zur Bewusstwerdung und Heilung unserer unbewussten, verdrängten oder, aus einer Not heraus, abgespaltenen Erfahrungen. 

 

Diese sind unterschiedlicher Natur und mit der Intensität, Häufigkeit und Komplexität des Erlebten verbunden. Nicht verarbeitete Emotionen, unterbrochene Beziehungen, übernommene negative Einstellungen, diffuse oder auch „krankmachende“ familiäre Strukturen, unklare Körperempfindungen oder auch schon manifeste Krankheits-symptome, körperliche oder seelische Verletzungen durch Unfälle oder Gewalterfahrungen weisen auf nur einige Möglichkeiten hin, die wir in uns tragen. Verbindend für alle ist, dass  unsere Lebenskraft gebunden ist und wir, in der Regel, die Einschränkungen nur unbewusst spüren und sie sogar als unsere Normalität begreifen.Wir sind dann, zum Beispiel, ängstlich, kontaktarm, scheu, hysterisch, depressiv, impulsiv etc., werden dann auch so von anderen „klassifiziert“ und übernehmen es dann in Folge als unsere Wirklichkeit, ohne den Anlass für unser Verhalten in den Blick zu haben.

Text mit freundlicher Genehmigung von Harald Homberger

bottom of page